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Time to Say Goodbye

Es ist kaum zu fassen, wie schnell drei Jahre vorbeigehen können… Eben ist man noch ein kleiner, unwissender Ersti und nimmt sich hundert Dinge für die aufregende Studentenzeit vor, und schwupps – füllt man seine Exmatrikulationsunterlagen aus. Es ist zum Wimmern, zumal ich gerade angefangen habe, Marburg doch zu mögen.

IMG_3492Nach einem missglückten ersten Versuch in Form eines Semesters in British Studies und Filmiwssenschaft an der Mainzer Uni fand ich in Marburg einen kleinen, wunderbar klingenden Studiengang mit Namen ‚Kunst, Musik und Medien: Organisation und Vermittlung‘. Hörte sich nach halbwegs vorhandenem Praxisbezug und Themenvielfalt an. Letztendlich war der Praxisbezug ab und an da, die Themen auch relativ vielfältig und ich konnte mich zumindest auf Musikwissenschaft schwerpunktmäßig festlegen. Mit anfangs noch 60 Mitstudierenden war das Ganze auch recht übersichtlich, aber die Grüppchenbildung – mir noch gut in Erinnerung von der Schule – nervte… schließlich fand ich mich damit ab, dass ich in keine Gruppe gehörte, war eben so. Zudem habe ich zwei Jahre auf einem Berg gewohnt (nicht in einer Holzhütte wie der Almöhi, aber fast…) und war somit praktisch vom sozialen Leben ausgeschlossen.

All das änderte sich grundlegend im letzten Sommer, als ich beschloss, doch noch umzuziehen. Nach unten, in die richtige Welt. Mir war schon klar, dass ich nie diese typische Studentin werden würde, die nachts lang Parties feiert, Unmengen Bier trinkt oder irgendwelche Dummheiten an der Lahn anstellt, aber ein wenig normaler wollte ich dann schon werden. Dass ich eine Zwischenmiete im praktisch schönsten Viertel der Stadt ergattern konnte, war das Beste, was mir passieren konnte. Ich war auf einmal angekommen – im Leben. Ich konnte zu Fuß Einkäufe erledigen, mit dem Rad mal schnell in 5 Minuten zur Uni düsen, mich mit Freunden treffen. Zum Französisch-Stammtisch gehen, ohne ständig auf die Buszeiten zu achten! Nach dem Sport noch ein bisschen trödeln, ich wohnte einfach gleich um die Ecke. Menschen kamen auf einmal zu mir in die Wohnung – regelmäßig! Schließlich mussten sie ja nicht mehr ewig den Berg hochgondeln.

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Und nun? Nach einem Jahr im ‚richtigen‘ Marburg ist mir klar: diese Stadt kannst du mögen. Und: man kann sein Leben ändern, wenn man Sachen anpackt und rausgeht. Eigentlich hasse ich Veränderung und Spontaneität – ich kann kaum glauben, dass ich damals ewig wachgelegen habe und mich mit meiner Bequemlichkeit gestritten habe, ob ich jetzt in die neue Wohnung ziehen soll. Aber es hat sich gelohnt! (Ob das Studium sich dagegen gelohnt hat, kann ich noch nicht sagen)

Was hat Marburg also aus mir gemacht?
Auf jeden Fall eine weltoffenere, flexitarische und umweltbewusstere Studentin. Ich bin super selbstständig geworden. Auch wenn ich vielleicht noch vereinzelt Spuren des pessimistischen, misanthropischen und einzelgängerischen Füchsleins an mir entdecke – ich bin an Marburg gewachsen, und dafür sehr dankbar.

Jetzt heißt es: auf zu neuen Abenteuern! Goodbye Marburg, hello future!

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12 Kommentare zu “Time to Say Goodbye

  1. Mir ging es beim Bachelor in Göttingen ganz ähnlich. Ich habe zwar immer mal was mit Freunden gemacht, aber war nie so mitten im Geschehen. Das lag zwar nicht zuletzt daran, dass ich an Wochenenden wegen meiner Fernbeziehung nur selten da war, aber ich war abgesehen davon auch nie so der jeden-Tag-Party-saufen-1000-neue-Leute-kennen-lernen-wollen-Typ, wenn du verstehst was ich mein. Inzwischen in Aachen wohne ich bei meiner ehemaligen Fernbeziehung und ich habe mehr Zeit für Freizeit, aber zum Partymenschen werde ich nie werden…
    Oxford klingt spannend – was machst du dort denn und wie lange bist du da? Oxford wäre ein Traum für mich. Ich LIEBE Groß Britannien ;-)

    • Genau – ich versteh dich total, aus demselben Grund bin ich nämlich am Wochenende auch nie in Marburg gewesen… ich hatte außerdem noch andere Verpflichtungen daheim (BigBand etc.), und das Studi-Ticket ließ mich ja kostenlos überall hinfahren. Naja – in Oxford wird das auf jeden Fall nicht mehr gehen :)
      Ich werde da meinen Master machen, das dauert 1 Jahr! Ich liebe England auch wie verrückt und musste unbedingt wieder hin (war schonmal als AuPair in Oxford)… von daher bin ich echt glücklich, dass das geklappt hat.

  2. Ich bin mir sicher, was in Marburg zwei Jahre gedauert, wird in Oxford sofort passieren: Du wirst ankommen! :)
    Ich finde den einjährigen Master fantastisch – das möchte ich auch gerne machen. Vorzugsweise in UK oder Skandinavien.

    • Ja, gerade für mich als Geisteswissenschaftlerin war es mir wichtig, den Master zu haben, aber trotzdem früh anfangen können, zu arbeiten (hoffentlich).

  3. Schöner Beitrag :) Freut mich, dass du deinen Frieden mit Marburg schließen konntest. Ich bin noch nicht so weit (der Berg… ich mag keine Berge hochlaufen T_T) aber so oft bin ich ja auch nicht da ;)
    Ich wünsche Dir alles Gute für die Zukunft in England!

  4. Auch von mir herzlichen Glückwunsch. Solche aufregenden Zeiten des Umbruchs versuche ich immer ganz bewusst zu erleben, zu schnell gerät man auch nach einem Umzug in seinen alten Trott zurück. Wünsche dir alles Gute für Oxford.

  5. Ohja diese Grüppchenbildung kenne ich auch leider nur zu gut…..hatte auch gehofft das mit der Schule hinter mir gelassen zu haben aber nein ^^
    die Zeit geht wirklich sehr schnell rum – nach diesem Semester ist der Bachelor auch fertig; rückblickend wars wirklich wahnsinnig schnell!
    Lg

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