Long time no see…

Heute ist der 15. August. Mein letzter Post stammt vom 15. April. Vier Monate!! Ich entschuldige mich vielfach, und gelobe Besserung. In den letzten vier Monaten ist aber auch so viel passiert, dass ich es mit euch teilen will – eventuell interessiert euch das ja ;)

  • mein Freund hat mich nach fünf Jahren verlassen. Das war ziemlich schlimm für mich, und ich war sehr sehr wenig motiviert irgendetwas zu tun in der Zeit danach. Aufgerafft habe ich mich dann trotzdem, und dadurch ausschließlich gewonnen.
  • Ich fahre jetzt Longboard! Und es ist großartig.
  • Ab Herbst 2015 werde ich, wenn alles klappt, tatsächlich doch hier in Frankfurt studieren. Das ist alles noch völlig unklar, weil ich mich noch nicht beworben habe. Zur Auswahl stehen sonst noch: Augsburg (Musikvermittlung/Konzertpädagogik), Hildesheim (Kulturvermittlung), London (Arts Administration & Cultural Policy) und eben Frankfurt (Theater- und Orchestermanagement). Bei den ersten beiden Unis habe ich die Aufnahmeprüfung geschafft, die noch ein Jahr gültig ist. Ich habe quasi alle Möglichkeiten (juhu!)
  • Ich hab mir einen komplett neuen Freundeskreis aufgebaut. Das war hart, aber es hat sich sehr gelohnt. Nach der Trennung merkt man jedenfalls, wer die wahren Freunde sind und wer für einen da ist, wenn es mal nicht so gut läuft.
  • Ich war viel unterwegs – in Barcelona, Hamburg und jetzt kommt noch ein Wanderurlaub in den Alpen. Fünf Tage, nur ich und die Berge. Theaterferien olé!
  • Kreativ gesehen habe ich mich ein bisschen zurückgelehnt und einfach mal gewartet, was so vorbeikommt – das seht ihr dann in den nächsten Wochen beim Freitagsfund!

Ich hoffe, ihr seid noch bei mir und hattet den Blog noch nicht für tot erklärt! Ich freu mich auf die nächste Zeit :)

Advertisements

„Das ist Glück für mich“

Heute war ein wundersamer Tag – in mehrfacher Hinsicht. Ich hab eine Jobzusage bekommen, mein erster richtiger Job! Und dann hatte ich zwei ganz berührende Gespräche in öffentlichen Verkehrsmitteln.

In der Straßenbahn habe ich eine Dame getroffen, die mir erzählte, dass sie 35 Jahre lang Straßenbahnfahrerin war und es ihr so viel Spaß gemacht hat, dass sie eigentlich nicht aufhören wollte zu arbeiten. Sie war eine der ersten FahrerInnen in Frankfurt und darauf war sie sehr stolz – das hat man gesehen! Nachdem wir uns kurz darüber unterhalten hatten, seufzte sie und sagte: „Dass ich mich mit einer jungen Frau wie Ihnen hier unterhalten kann – dass es noch Leute gibt, die sich in der Bahn wirklich unterhalten und sich nicht ignorieren – das ist Glück für mich.“ Als ich aussteigen musste, verabschiedete sie sich und sagte: „Vielen Dank für das tolle Gespräch – ich wünsche Ihnen alles Gute für Ihre Arbeit, und dass sie immer glücklich dabei sind!“

Die andere Begegnung war ein paar Stunden später in der S-Bahn: ich saß neben einem Mann, der sich mit seinem Bekannten auf türkisch unterhielt. Ich hatte meinen Rucksack auf dem Schoß, plötzlich unterbrachen die beiden ihr Gespräch und der Mann fragte mich, ob ich den Rucksack nicht auf den freien Sitzplatz mir gegenüber, neben seinen Freund, stellen wollte, das sei doch viel bequemer zum Sitzen. Wenig später – ich war an meinem Handy zugange – sprach er mich noch mal an: „Es ist doch schade – sehen Sie sich um! Alle sitzen an ihrem Handy. Niemand unterhält sich mehr miteinander.“ Ich erwiderte dass ich  normalerweise wirklich nicht oft an meinem Handy sei, aber eben allein unterwegs, und niemanden dabeihabe, mit dem ich reden könnte. – „Aber Sie können doch mit uns reden!“, sagte der Mann. „Ich kann aber doch kein Türkisch“, sagte ich naiv-dämlich, wie mir das oft in solchen Situationen passiert. „Sie können Deutsch, Englisch, Russisch mit uns sprechen, was Sie wollen!“. Daraus entstand ein wunderbares Gespräch über die Überbewertung von Smartphones, den Wert von persönlichen Gesprächen und die Wertschätzung, die daraus entsteht.

Das alles hat mich so sehr berührt, dass ich es hier teilen wollte. Es geht nicht darum, dass ich Smartphones doof finde – aber ich finde, man sollte sich mehr mit seinen Mitmenschen beschäftigen. Es lohnt sich.

Die Erfüllung.

Ich muss mich entschuldigen, dass ich Füchslein so sträflich vernachlässigt habe. Drei Wochen! Eine Ewigkeit in der Bloggerwelt. Um die Wahrheit zu sagen, ging es mir in letzter Zeit nicht grade gut und in meinem Leben hat sich so viel geändert, dass es zu viel wäre, das alles im Detail aufzuzählen.

Trotzdem ist es mir wichtig, wenigstens ein bisschen Rechenschaft abzulegen, meiner lieben LeserInnen wegen und überhaupt tut es ja auch gut, mal drüber zu reden. In der Geschäftssprache würde man sagen, ich habe mich beruflich umorientiert. Ganz so drastisch ist es nicht, vor allem, da ich mich innerhalb meiner ‚Branche‘ (dem Kulturbereich, Schwerpunkt Musik) umorientiert habe. Über mehrere Wochen habe ich mir Fragen gestellt wie Wie vereinbare ich meine Begabungen mit meinem Berufsziel? Wie schaffe ich es, mein Leben so zu gestalten, dass ich meinen Beruf als Berufung ansehe und genau das tue, was ich immer wollte? Welcher Beruf macht überhaupt Sinn? Brauche ich einen Master? Wie steige ich in den Beruf ein? Was will ich überhaupt?

Ehrlich gesagt hatte ich gar keine Ahnung. Und schwere psychosomatische Beschwerden, die heute noch nicht komplett weg sind. Nach langer Suche nach einer Aufgabe mit Sinn habe ich mich jetzt für eine Richtung entschieden, habe ein Ziel und etwas, woran ich in der Zwischenzeit bis zum Anfang des Masters arbeiten kann. Das alles kam mehr oder weniger zufällig, aber die Zeit der Ungewissheit und der scheinbaren Perspektivlosigkeit hat mich dermaßen unproduktiv gemacht und mich in einen melancholischen Zustand versetzt, der jegliche Kreativität unterdrückt hat.

Jedenfalls bin ich jetzt wieder halbwegs auf der Höhe und verspreche, mich wieder intensiver um meinen Blog zu kümmern :) Nächste Woche kommt ein ziemlich schönes DIY zum Thema Weihnachtskarten und überhaupt hab ich ein paar nette Sachen gesammelt, die ich euch zeigen mag.

Also: entschuldigt meine Abwesenheit, ich danke euch für’s Verständnis.

 

Die Qual der Wahl

Dieser äußerst originelle Titel ist morgen Programm! Nie, so glaube ich, waren wir Wähler unserer Generation so ratlos wie bei dieser Bundestagswahl. Was soll ich denn nun wählen? Vielleicht die FDP, weil die Brüderle-Untertitel der heute-show so lustig sind? Die Linke, weil Sarah Wagneknecht so kompetent aussieht? Oder lieber die Piraten, deren Programmsverwirklichung in etwa so realistisch scheint wie der Abstieg der Bayern in die 2. Liga? Selbst die sonst so beliebten Grünen haben sich mit ihrer Steuerpolitik ins Aus geschossen, bleiben fast ja nur noch zwei (realistische) Parteien übrig – oder?

Mal Spaß beiseite. Sich bei einer Bundestagswahl für die ‚richtige‘ Partei zu entscheiden, fällt offengestanden schwer. Der Wahl-o-Mat hilft erstmal nur bedingt weiter, auch wenn er zumindest einen super Überblick über die einzelnen Ziele und Standpunkte der zur Wahl Stehenden gibt. Ich gebe es zu: leicht finde ich es nicht, mich im Wirrwarr der deutschen Politik zurecht zu finden. Interessanterweise hatte ich dieses Jahr zur zweiten Bundestagswahl meines wahlberechtigten Lebens das Gefühl eines enormen Drucks, das Richtige zu wählen. Den Eindruck, dieses Mal kann ich etwas bewirken. Die Wahl muss gut überlegt sein. Es gibt keine Partei, die alle meine Positionen und Interessen vertritt, außer ich gründe sie selbst. Der Wahl-o-Mat hat mir für die Partei meiner Wahl (ein Wortspiel!) gute 67% Übereinstimmung ausgerechnet. Ganz gut, aber in Kernthemen wie Betreuungsgeld und NATO-Austritt nicht meiner Meinung. Lohnt es sich also, die kleineren Parteien zu stärken, um wenigstens ein paar der eigenen Interessen kompromissvoll durchzusetzen? Oder bringt das nichts, weil sie sowieso keine Chance auf Mitbestimmungsrecht, oder im schlimmsten Fall keine Sitze im Bundestag haben? Man muss wissen, was man erreichen will: einen Regierungswechsel oder eine starke Opposition? Meines Erachtens ist letzteres realistischer und umsetzbarer, aber noch wichtiger ist für mich eine eigene Meinung zu haben.

Von vielen Leuten höre ich oft: ‚Ach, was für ein Gewicht hat schon meine einzelne Stimme?‘. Ein ziemlich großes, ist die Antwort. Wir haben vielleicht keinen Bürgerentscheid, aber wir haben eine Stimme, die Dinge bewegen kann. Wer sie nicht nutzt, darf sich nicht beschweren, dass das Land den Bach runtergeht. Also: Geht wählen, informiert euch noch einmal am letzten Tag vor dem Wahlsonntag und NUTZT eure Stimme. Wer ohne Stimme ist, kann nichts verändern.